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Ann-Helén Laestadius – Das Leuchten der Rentiere

Man sieht das Buch auf einer weißen Kommode liegen. Auf dem Cover ist eine Schneelandschaft und ein wolkiger Himmel. In weiter Entfernung sind Rentiere zu sehen.

Details

Originaltitel: Stöld
Übersetzung von Maike Barth und Dagmar Mißfeldt 

Taschenbuch, 448 Seiten
Hoffmann und Campe, 5. Oktober 2023
ISBN 978-3455012965

Meine Bewertung

Bewertung: 4 von 5.

Klappentext

Die Sámi Elsa ist neun Jahre alt, sie zur einzigen Zeugin des Mordes an ihrem Rentier wird. Der Täter zwingt sie zu schweigen. Von nun an geht Elsa mit einem dunklen Geheimnis und dem Gefühl von Schuld durchs Leben – bis sie sich entschließt, für Gerechtigkeit zu sorgen, um endlich ihren Platz in der Welt zu finden.

Content Notes (könnten Spoiler enthalten)

Tierquälerei, Suizid und suizidale Gedanken, Rassismus

Die Sámi Elsa lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Sápmi, Lappland, nördlich des Polarkeises. Ihre Familie sind Rentierhirten und so bekommt auch Elsa ihr erstes eigenes Rentier – Nástegallu. Sie ist gerade mal neun Jahre alt als sie alleine auf Skiern einen Ausflug zum Gehege macht und nur noch ihr totes Kalb vorfindet, sowie den Täter, der ihr mit einer einfachen Geste solche Angst einjagt, dass sie nie darüber sprechen wird.

Sápmi (oder Same-Ätnam) ist der samische Name für das Siedlungsgebiet beziehungsweise den Kulturraum der Samen, eines indigenen Volkes im Norden von Fennoskandinavien. Das „Land der Samen“ umfasst nach dem Selbstverständnis dieses Volkes die Landschaft Lappland nördlich des Polarkreises in Fennoskandinavien einschließlich des Großteils der Kola-Halbinsel in Russland und reicht im Süden Skandinaviens bis Engerdal im norwegischen Verwaltungsbezirk Hedmark und bis Idre in der schwedischen Provinz Dalarna. Im südlichen Teil ist die Grenze Sápmis erkennbar an den Gebieten, in denen Rentiere weiden.

Quelle: Wikipedia.de

Puh hat mich dieses Buch zerstört, ich wollte es fast ziemlich am Anfang schon abbrechen, da mich die Szenen der Tierquälerei sehr mitgenommen hat (Content Note an dieser Stelle), jeder Mensch hat da ja so seine eigenen Grenzen, meine hört bei Tierquälerei auf jeden Fall auf. Ich habe es aber weiter versucht und bereue es nicht, ich verstehe warum die Autorin dies so explizit beschrieben hat, gebraucht hätte ich es aber dennoch nicht.

Wir begleiten Elsa beim Aufwachsen nach diesem schrecklichen Ereignis, wie ihre Familie kämpft von der Polizei gehört zu werden (Spoiler: erfolglos), es sind ja „nur“ Rentiere und so wird lediglich ein Diebstahl verfolgt, wenn Tiere verschwinden. Nun geschieht dies auch meistens nicht unter den Augen von Zeug*innen, so dass jede Anzeige eingestellt wird. Aber nicht nur gegen die Polizei kämpft die Familie an, sondern auch gegen den Klimawandel, gegen Hass anderer Menschen, die die Sámi kritisch beäugen und die Rentiere am liebsten einfach loswerden wollen, es geht um das Land, dass bebaut werden soll, Weidefläche die einem Bergwerk weichen soll, Traditionen, die kritisiert werden, mit denen sich aber auch nicht beschäftigt wird. Aber auch Elsa erlebt eine Wandlung, sie muss sich beweisen in einem sehr männlich dominierten Umfeld, um ihr Erbe als Rentierhirtin anzutreten. Dadurch dass Elsa Familie in einem Sameby (einer Gemeinschaft von Rentierhaltern) lebt, erfährt mensch unheimlich viel über das tägliche Leben. Laestadius ist selbst gebürtige Sámi und legt den Finger in ganz viele Wunden. Die Sámi haben eine lange Vergangenheit, und über das Unrecht dass ihnen widerfährt wird viel zu wenig gesprochen. Das macht dieses Buch schon zu etwas besonderem. Und ich kann es mit Abstand tatsächlich jetzt besser wertschätzen.

Das Buch wurde unter dem Namen Stolen ebenfalls verfilmt.

Da ich schon zweimal selbst nach Lappland gereist bin, hier noch ein paar Bilder, von diesen wunderbaren Tiere:


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