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Deniz Ohde – Streulicht

Man sieht das Buch aufgeschlagen auf einer grauen Decke. Auf dem Cover sieht man eine Fabrik.

Details

Taschenbuch, 284 Seiten
Suhrkamp, 10. Oktober 2021
ISBN 978-3518471746

Meine Bewertung

Bewertung: 5 von 5.

Klappentext

Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen. Hier ist die Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück. Und während sie die alten Wege geht, spürt sie den Sollbruchstellen in ihrem Leben nach, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit.

Die Ich-Erzählerin wächst in den 90er/2000er in Frankfurt in der Nähe des Industrieparks auf. Während ihres Studiums kehrt sie für einen Besuch zurück an den Ort ihrer Kindheit.

Sie lebt zusammen mit ihrem trinkenden Vater, der seit Jahren im selbigen Industriepark arbeitet und auf mich einen sehr resignierten Eindruck gemacht hat, und anfangs auch noch mit der Mutter, die aus der Türkei nach Deutschland kam. Diese Migrationserfahrung wird deutlich durch den Blick von außen, die subtile Abwertung die die Erzählerin vor allem in ihrer Schulzeit erfährt. Obwohl in Deutschland geboren, wird sie automatisch in die Schublade „ausländisch“ gesteckt. Durch diesen alltäglichen Rassismus, der suggeriert dass sie ja gar nicht gut in der Schule sein kann „weil“, verliert die Erzählerin ihr Selbstvertrauen und schafft schlussendlich den Abschluss nicht. Fuß fassen kann sie dann an einer Abendschule, wo sie ihren Abschluss nachholen kann, weil ihr endlich die Möglichkeit dazu gegeben wird, mit Mitschülerinnen denen es ähnlich erging.

Deniz Ohde ist nur drei Jahre jünger als ich, wir hätten uns also auch in einer Schule begegnen können. Dass ihre Struggles auch die meiner damaligen Klassenkamerad*innen sein können berühren natürlich nochmal ganz anders, denn so richtig bewusst war mir das damals nicht. Umso wichtiger, dass dieses Buch geschrieben wurde und hoffentlich viele Menschen auf der selben Ebene wie mich erreicht, denn leider verliert dieses Thema nicht an Aktualität.

Ich freue mich nun sehr auf Ohdes zweites Buch!


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